
Am 14. Oktober 2026 kündigte TikTok eine Produktionspartnerschaft mit Made By Us Studios an. Geplant sind gemeinsam produzierte, Creator-geführte vertikale Microserien für TikTok und PineDrama. Auf der MIPCOM wurden die ersten Projekte vorgestellt: Player mit Hannah Stocking und The Knock mit Adam Rose. Der Anlass ist damit eine angekündigte Zusammenarbeit samt Projektvorstellung, kein durch diese Ankündigung belegter Publikumserfolg der beiden Serien. ([newsroom.tiktok.com](https://newsroom.tiktok.com/tiktok-and-made-by-us-studios-enter-partnership-to-co-produce-creator-led-micro-series?lang=en)) TikTok
Für OHA FILM liegt die interessante Frage nicht darin, ob Deine Marke jetzt ebenfalls eine Microserie braucht. Entscheidend ist, ob Deine Geschichte mehrere kurze Folgen tragen kann. Unsere Empfehlung: Prüfe zuerst Figur, Handlung und Markenbezug. Entscheide danach über Besetzung, Produktionsumfang und Veröffentlichung. So wird aus dem Formatimpuls eine konkrete kreative Entscheidung statt einer Pflichtübung für den nächsten Kanal.
Wir würden eine vertikale Serie nicht als späteren Zuschnitt eines Querformatfilms entwickeln. Lege bereits im Drehbuch fest, was im schmalen Bild sichtbar sein muss: ein Gesicht, eine Handbewegung, ein Gegenstand oder die Distanz zwischen zwei Personen. Plane Einstellungen so, dass die entscheidende Information bewusst im Bild steht. Das gibt Kamera, Ausstattung und Schnitt eine gemeinsame Aufgabe.
Für den Einstieg empfehlen wir eine konkrete Situation statt einer vorgeschalteten Erklärung. Eine Figur entdeckt einen Fehler. Jemand muss sich entscheiden. Ein vertrauter Ablauf gerät unerwartet ins Stocken. Frage bei jedem Entwurf: Was versteht Dein Publikum bereits ohne zusätzliche Einordnung? Und welche offene Frage soll es durch diese Folge begleiten? Der Anfang muss dabei zur Geschichte passen, nicht nur auffallen.
Gib jeder Episode außerdem einen eigenen kleinen Abschluss. Löse beispielsweise eine praktische Frage und öffne zugleich eine persönliche: Das Problem ist behoben, aber wer übernimmt die Verantwortung? Unser dramaturgischer Maßstab wäre, dass jede Folge etwas einlöst und einen nachvollziehbaren Grund für die nächste schafft. Ein bloßer Abbruch mitten in der Handlung wäre dafür noch keine ausreichende Idee.
Für die Besetzung würden wir zuerst die Anforderungen der Rolle formulieren. Braucht sie trockenen Humor, präzises Timing, glaubwürdige Unsicherheit oder eine besondere körperliche Präsenz? Prüfe potenzielle Creator anhand kurzer Spielszenen, nicht ausschließlich anhand ihrer bisherigen Reichweite. Für Deine Entscheidung zählt, ob Du dieser Person über mehrere Episoden folgen möchtest und ob ihre Interpretation zu Deiner Marke passt.
Beziehe die ausgewählte Person früh in die Entwicklung ein. Lass sie Dialoge ausprobieren, Bewegungen verändern und eigene Beobachtungen zur Figur beitragen. Definiere zugleich klar, wer Drehbuch, Regie und Freigaben verantwortet. Unsere Empfehlung ist eine enge Zusammenarbeit mit eindeutigen Entscheidungen: Raum für die individuelle Spielweise, ohne die Geschichte bei jeder Abstimmung neu zu erfinden.
Für den Markenbezug hilft eine einfache Gegenprobe: Warum gehört ausgerechnet Deine Marke in diese Handlung? Suche die Antwort in einer Tätigkeit, einer Haltung oder einem konkreten Produktnutzen. Wenn sich nur das Logo austauschen lässt, würden wir das Konzept weiterentwickeln. Ziel wäre keine möglichst häufige Produktansicht, sondern eine Geschichte, in der die Marke eine nachvollziehbare Rolle bekommt.


Ein hypothetisches Beispiel: Eine Marke für Arbeitskleidung könnte eine kurze Serie um eine neue Mitarbeiterin in einer Werkstatt entwickeln. Jede Folge stellt sie vor eine andere Aufgabe. Eine wiederkehrende Kollegin hilft, widerspricht oder lernt selbst dazu. Die Kleidung wäre Teil der Arbeitssituation. Dies ist eine mögliche Erzählidee, keine bestehende Produktion oder Referenz von OHA FILM.
Für einen ersten Test würden wir daraus einen begrenzten Handlungsbogen entwickeln. Bestimme vorab, welche Veränderung die Hauptfigur durchläuft und welche Aufgabe jede Episode darin übernimmt. Halte Schauplätze und Nebenfiguren zunächst überschaubar. Nicht als pauschale Sparregel, sondern damit Du gezielt prüfen kannst, ob Figur und Erzählprinzip tragen, bevor Du die Welt der Serie erweiterst.
Plane den Test einschließlich Veröffentlichung und Auswertung. Lege fest, wie die Folgen auffindbar zusammengehören, wer auf Rückfragen reagiert und wann Du das Ergebnis besprichst. Prüfe auch früh, welche Nutzungen mit den Beteiligten vereinbart werden sollen. Für die Budgetentscheidung empfehlen wir, Entwicklung, Dreh, Schnitt, Ausspielung und Betreuung gemeinsam zu betrachten statt nur den Preis einer einzelnen Episode.
Definiere vor dem Start, welche Entscheidung der Test ermöglichen soll. Möchtest Du die Figur weiterentwickeln, den Markenbezug prüfen oder herausfinden, welche Situationen Interesse auslösen? Wähle dazu passende Messgrößen aus den tatsächlich verfügbaren Auswertungen. Für die Dramaturgie würden wir insbesondere Wiedergabedauer, Abbruchstellen und vollständig angesehene Folgen betrachten. Bewerte diese Werte im Zusammenhang mit Episodenlänge und Ausspielung.
Untersuche Folgenbindung nur so genau, wie Deine Daten es erlauben. Behandle ähnliche Aufrufzahlen mehrerer Episoden nicht automatisch als Nachweis wiederkehrender Zuschauer. Ergänze die Auswertung durch eine strukturierte Sichtung der Reaktionen: Wird über die Figur gesprochen? Fragen Menschen nach der Fortsetzung? Entstehen konkrete Fragen zur Marke oder ihrem Angebot? Lege vorher fest, welche Reaktionen für Dein Ziel relevant sind.
Unsere Entscheidungsempfehlung: Entwickle weiter, wenn Erzählidee, Markenbezug und die beobachteten Reaktionen gemeinsam dafür sprechen. Überarbeite gezielt, wenn einzelne Szenen funktionieren, die Verbindung zwischen den Folgen aber noch unklar bleibt. Werte Aufmerksamkeit nicht automatisch als Verkaufserfolg. Der sinnvolle nächste Schritt ist die Geschichte, deren Fortsetzung Du kreativ begründen und anhand Deiner Ergebnisse verantworten kannst.
Redaktionelle Einordnung von OHA FILM · Stand: 2026-10-17
Titelbild: Creatorin am Smartphone im neonbeleuchteten Studio · Symbolfoto von Ivan S / Pexels.